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Bildungsakademie der Handwerkskammer Mannheim Rhein-Neckar-Odenwald

Vom Löten und Schweißen bis zur Kreation von Pralinés

Bei der Ausbildung zum Konditor braucht man eine ruhige Hand. Foto: HWK

Bei der Ausbildung zum Konditor braucht man eine ruhige Hand. Foto: HWK

Die Handwerkskammer Mannheim Rhein-Neckar-Odenwald betreibt im Gewerbegebiet Wohlgelegen eine eigene Bildungsakademie (BiA). Mit einem breitgefächerten Angebot bildet sie jährlich rund 10.000 junge Menschen überbetrieblich aus.

In dem markanten roten Gebäude an der Gutenbergstraße ist schwer was los: Da wird gehämmert, gebohrt, gesägt, geschweißt und  geschraubt. An einer Werkbank hat Burhan Afsaroglu gerade ein Kupferrohr in den Schraubstock gespannt und bearbeitet es mit einer Feile. „Ich habe das Ende begradigt“, erklärt er, „damit sich niemand daran verletzt.“ Der 27-Jährige ist Auszubildender im Beruf  Anlagenmechaniker für Heizung und Sanitär. Er nutzt einen zweiwöchigen Kurs in der BiA, um das Löten und Schweißen zu lernen: „Das haben wir in unserem Ausbildungsbetrieb bislang noch nicht gemacht.“ Der junge Mann schätzt das Angebot der BiA sehr, „weil ich diese praktischen Fertigkeiten in meiner Zwischenprüfung sowie auch in der Gesellenprüfung brauche“. 

In ihrem im März 2016 für 4,4 Millionen Euro energetisch sanierten dreiteiligen Gebäudekomplex schult die Akademie in 37 Werkstätten jährlich rund 10.000 junge Frauen und Männer. Ganz gleich, ob Heizungsbauer, Lackierer, Kfz-Mechaniker, Elektrotechniker, Schreiner oder auch Friseure in spe – sie alle erhalten von ihrem Ausbilder Aufträge, die sie eigenständig planen und dann praktisch umsetzen müssen. Vor allem zeitintensive Inhalte und  spezielle Fertigkeiten an großen, teuren Anlagen wie beispielsweise einer CNC-Fräsmaschine, die nicht in jedem Handwerksbetrieb vorhanden sind, werden ihnen vermittelt. „Die duale Ausbildung wird mit diesem Angebot hochwertig ergänzt“, so Hans-Fred Herwehe, Geschäftsführer der BiA. „Mit den überbetrieblichen Lehrgängen unterstützen wir vor allem kleine und mittlere Unternehmen.“ Um die modernen Maschinen überhaupt bedienen zu können, müssen theoretische Kenntnisse und gewisse traditionelle Handfertigkeiten vorhanden sein. „Deshalb lernen die Azubis schon im ersten Lehrjahr, Werkstücke noch von Hand zu bearbeiten, damit sie spüren, wie der Werkstoff reagiert“, betont Klaus Purper, Maschinenbauer-Ausbildungsmeister im Bereich Metall.

Ein paar Schritte weiter zerlegen zehn junge angehende Fachkräfte Starter und Generator von Schulungsfahrzeugen in der Kfz-Werkstatt in einzelne Bauteile. „Die Jungs müssen teilweise absichtlich eingebaute Fehler anhand von Schaltplänen finden und dann Diagnosen stellen“, erklärt Ausbildungsmeister Ingo Hagebrauck. Eine filigrane Arbeit haben die Fliesenleger in ihrem Werkraum zu absolvieren. Sie erlernen gerade spezielle Schneidetechniken wie den Rund- oder auch den Diagonalschnitt und legen wunderschöne,  mehrfarbige Muster. „Diese künstlerische, sehr zeitaufwändige Arbeit kommt in Betrieben oft zu kurz“, weiß Peter Rieger, Ausbildungsmeister im Fliesen-, Platten- und Mosaik-Handwerk. 

Eine ruhige Hand brauchen auch die Auszubildenden im Fachbereich Bäcker/Konditor bei der Kunst des Pralinenhandwerks. Alte Methoden wie zur Formung einer Weinbrandbohne gibt Konditormeister Werner Wolf gerne weiter. Doch auch eine ganz moderne Aufgabe hat er sich ausgedacht: So müssen die angehenden Konditoren eine essbare Dekofolie auf einem Schokotropfen mit Anissahnefüllung anbringen.

„Mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung ist man aber nicht für den Rest seines Lebens fit“, betont Herwehe. Neue technologische Entwicklungen und Veränderungen erfordern zusätzliche Fort- und Weiterbildungen. Die BiA bietet deshalb abends in ihren Lehrräumen eine breite Palette an Qualifizierungsmöglichkeiten an. Das Spektrum reicht von Kursen zur Unternehmensführung, Umwelt- und Energieeffizienz oder auch EDV über technische Fachlehrgänge bis hin zur Vorbereitung auf die Meisterprüfung.

Im Handwerk bleiben viele Lehrstellen schon heute unbesetzt. „Deshalb müssen wir die Nachwuchsförderung ankurbeln, um spätere Fachkräfte zu rekrutieren“, so Herwehe. Der Leiter der BiA fängt deshalb schon bei den Schülern damit an: 1.000 Jugendlichen aus 17 Werkreal- und Realschulen wird ein zweiwöchiger praxisnaher Einblick in zehn Berufsfelder gewährt. „Dadurch können sie erkunden, wo ihre Neigungen und Talente liegen.“ Und vielleicht wird damit ja der Grundstein für eine Ausbildung in einem gewerblich-technischen oder kaufmännischen Beruf gelegt. Nach der Abschlussprüfung kann  man sich in der BiA als Geselle/in zum Meister fortbilden und darf mit Erhalt des Briefs selbst  Nachwuchs ausbilden. Wer auf der Karriereleiter weiter nach oben möchte, kann eine Weiterbildung zum „Betriebswirt des Handwerks“ anschließen. Eine erfolgreich bestandene Prüfung ist die Eintrittskarte für das Studium an einer Hochschule und bildet die Basis, Chef eines eigenen Unternehmens zu werden. 

 

 

Text: Gesine Millhoff 

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