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Betriebliches Gesundheitsmanagement

Fit durch den Arbeitsalltag

In der Gruppe zu laufen, schweißt zusammen, steigert das Wohlbefinden und hilft, Stress abzubauen: Dies zeigt der Laufkurs, den MVV Energie anbietet. Foto: MVV Energie

In der Gruppe zu laufen, schweißt zusammen, steigert das Wohlbefinden und hilft, Stress abzubauen: Dies zeigt der Laufkurs, den MVV Energie anbietet. Foto: MVV Energie

Ein eigener Fitnessraum, ein Work-Life-Balance-Programm oder Ansprechpartner in allen Abteilungen: Betriebliche Gesundheitsförderung beschäftigt immer mehr Arbeitgeber und auch die Stadt Mannheim. 

Der Neubau von Karl Berrang in Mannheim-Friedrichsfeld: Hier, im fünften Stock des gläsernen Rundbaus, können Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Familienunternehmens im hauseigenen Fitnessraum trainieren „mit bestem Blick auf Mannheim und bei gutem Wetter mit einem Ausblick bis tief in die Pfalz“, sagt Paul Hofmann, einer der Geschäftsführer. In Zusammenarbeit mit der Schwetzinger Unternehmensgruppe Pfitzenmeier, einem Betreiber von Fitnessstudios und Wellnessresorts, bietet der Spezialist für mechanische Verbindungstechnik seinen Beschäftigten an, ihre Leistungsfähigkeit zu testen. Die Experten erstellen daraufhin einen Trainingsplan, der in regelmäßigen Abständen angepasst wird. Zehn Geräte für Kardio- und Krafttraining stehen im Fitnessstudio zur Verfügung  – natürlich ein freiwilliges Angebot. „Von den 200 Mitarbeitern am Standort haben bislang rund 70 eine Einweisung für die Geräte erhalten, 40 trainieren regelmäßig“, so Hofmann. Motivierte Teilnehmer hat auch der Yoga-Kurs,  der in einem zusätzlichen Raum stattfindet. Dass es bei diesen Angeboten nicht zuletzt um das Thema Mitarbeiterbindung geht, daraus macht Paul Hofmann keinen Hehl: „Man muss attraktiv sein, gerade für die jungen Leute. Das bedeutet: Man muss eine gute, interessante Arbeit anbieten und ein angenehmes Umfeld schaffen.“ Bei Berrang spiele die Gesundheit aber auch abseits des Fitnessraums eine wesentliche Rolle. So seien beispielsweise die Arbeitsplätze nach ergonomischen Gesichtspunkten gestaltet, etwa mit höhenverstellbaren Schreibtischen oder natürlicher Beleuchtung, Hebehilfen für schwere Lasten im Lager sowie einer automatisierten Lagerlogistik.

Berrang ist nur eines von über 380 Unternehmen in der Metropolregion Rhein-Neckar, die nach Angaben von Christian Teucke mit der Pfitzenmeier-Abteilung FirmenFitness zusammenarbeiten. Teucke ist Leiter dieses 2009 gegründeten Bereichs für betriebliche Gesundheitsförderung und spürt, dass das Thema immer mehr Arbeitgeber beschäftigt. Pfitzenmeier gewährt Unternehmen unter anderem Sondertarife: Ihre Belegschaft kann günstiger in den Sportstudios trainieren als andere Kunden. Sein Team neben Teucke sechs Kollegen – hält zudem im Auftrag von Firmen Vorträge zu Gesundheitsthemen. Es berät sie aber auch, analysiert die Situation, filtert Schwachpunkte heraus und setzt ein Konzept zur betrieblichen Gesundheitsförderung um, das speziell auf das jeweilige Unternehmen und seine Eigenschaften ausgerichtet ist. Dabei gehe es vor allem darum, Belastungen einzudämmen sowie das Wohlbefinden am Arbeitsplatz und die Identifikation mit dem Arbeitgeber zu fördern, betont Christian Teucke. Eine Garantie, dass Unternehmen mit einem guten Gesundheitsmanagement weniger krankheitsbedingte Ausfälle haben, gebe es aber leider nicht.

Das Energieunternehmen MVV Energie setzt auf ein „5-Sterne-Gesundheitsprogramm” mit den Bausteinen Ernährung, Medizin, Bewegung, innere Balance und Umgang mit Menschen. „Es ist uns wichtig, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in allen Punkten aktiv in die gesundheitsfördernde Gestaltung ihres Arbeitsumfelds einzubeziehen“, erklärt Betriebsärztin Dr. Anna Maria Schweiger. So bieten eine in den Betrieb integrierte Ambulanz und der werksärztliche Dienst neben Leistungen wie Langzeit-Blutdruckmessung, Blutzuckerwochen und Hautkrebs-Screening auch Grippeschutzimpfungen an. Mit Beratung und Coaching stehe die Personalabteilung Mitarbeitern und Führungskräften zum Thema „Umgang miteinander“ zur Verfügung. Auch eine ausgewogene Ernährung sowie spezielle Aktionen in der unternehmenseigenen Kantine gehören zum „5-Sterne-Gesundheitsprogramm” außerdem Sport Angebote, die laut MVV Energie arbeitsplatznah und gezielt einen Ausgleich zu den Belastungen des Berufsalltags bieten. Rückenfitness, Active Workout und zum Beispiel auch Faszien Pilates stärkten die Muskulatur und milderten die Folgen einseitiger Bewegungsabläufe ab. Unter dem Aspekt innere Balance kann man an Entspannungskursen und Yoga teilnehmen.

Bei der Stadt Mannheim ist das betriebliche Gesundheitsmanagement seit 2012 in einer Dienstvereinbarung verankert, wie Veronika Westphal erklärt. Sie leitet diesen Bereich gemeinsam mit ihrer Kollegin Teresa Schultz. Auf zentraler Ebene gibt es einen Steuerungskreis und einen Expertenkreis. Aber die Gesundheit  beschäftigt auch dezentrale Arbeitskreise und Koordinatoren also Ansprechpartner in den verschiedenen Eigenbetrieben, Ämtern und Fachbereichen der Stadtverwaltung. „Es ist uns wichtig, dass dieses Thema in allen Bereichen, die bei uns teilweise sehr unterschiedlich arbeiten, ankommt“, betont Veronika Westphal. Neben Vorträgen zu Gesundheitsthemen oder Kooperationen mit Fitnessstudios geht es ihr dabei auch ganz konkret um den Arbeitsalltag: „Verwaltungen sind im Wandel, die Anforderungen an die Mitarbeiter steigen ständig. Uns ist wichtig, dass Dienststellen prüfen, wo bei ihnen besondere Stressfaktoren liegen und wie sie den Arbeitsalltag erleichtern können.“ Ihrer Meinung nach führt ein funktionierendes betriebliches Gesundheitsmanagement zu einer „Win-win-Situation“: Auf der einen Seite steige die Leistungsfähigkeit, auf der anderen Seite die Zufriedenheit der Arbeitnehmer, die sich vom Arbeitgeber wertgeschätzt und unterstützt fühlten.

Work-Life-Balance spielt für Christian Faggin, Geschäftsführer des Logistikunternehmens  Alpensped, das sich auf Transporte und Logistik innerhalb Europas spezialisiert hat, schon seit einigen Jahren eine wesentliche Rolle: Zuletzt stand für ihn und seine rund 30-köpfige Mannschaft im gleichnamigen Programm ein Vortrag zum gesunden Schlaf auf der Agenda. Zweimal pro Jahr finden solche Gesundheitsworkshops statt. Sie liegen in der Arbeitszeit und die Teilnahme ist freiwillig. „Je nach Thema kommen 50 bis 70 Prozent unserer Belegschaft“, sagt Faggin. Er arbeitet vertrauensvoll mit Mario Holderbach zusammen, der kleinere und mittlere Unternehmen bei der betrieblichen Gesundheitsförderung berät. Außerdem kommt ein- bis zweimal pro Jahr ein Mediziner ins Haus, der die Arbeitsplätze unter Gesundheitsaspekten überprüft. Montags bringe ein Landwirt frisches Obst. Das gibt es kostenlos, genau wie Getränke „die zuckerhaltigen haben wir dabei aus dem Sortiment verbannt“, so Faggin. Für ihn seien aber auch flexible Arbeitszeiten und „so gut wie keine Überstunden“ wichtiger Teil des betrieblichen Gesundheitsmanagements. „Als Familienunternehmen geht es uns glücklicherweise nicht um ein rasantes Wachstum auf Kosten unserer Mitarbeiter. Sie sollen sich hier wohlfühlen. Es ist ein Geben und Nehmen.“

 

Text: Anne-Kathrin Jeschke

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