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Gelungenes Beispiel für Bürgerbeteiligung

Grünes Licht für die Stadtbahn Nord

Die Stadtbahn Nord schließt die letzte große Lücke im Mannheimer Stadtbahnnetz. Foto: rnv

Die Stadtbahn Nord schließt die letzte große Lücke im Mannheimer Stadtbahnnetz. Foto: rnv

Die letzte große Lücke im Mannheimer Stadtbahnnetz ist geschlossen. Am 11. Juni 2016 eröffneten Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried  Hermann, Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz und zahlreiche weitere Ehrengäste die 6,4 Kilometer lange Stadtbahn Nord in die Mannheimer Gartenstadt.

Rund dreieinhalb Jahre wurde an der Gleis-trasse gebaut, mit der erstmals rund 32.000 Mannheimer (etwa zehn Prozent der Einwohner) einen direkten Anschluss an das Stadtbahnnetz erhalten. Mindestens 3.700 neue Fahrgäste pro Tag werden mit der neuen Strecke gewonnen, davon geht die zuständige Rhein-Neckar-Verkehr GmbH (rnv) aus. 86,4 Millionen Euro hat der Bau am Ende gekostet, davon trugen der Bund und das Land über das Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG) 80 Prozent – eine Option, die 2019 ausläuft. „Uns war klar, dass dies vielleicht die historisch letzte Chance war, die Anbindung der Gartenstadt mit der Stadtbahn noch zu schaffen“, sagte Mannheims Erster Bürgermeister Christian Specht bei der Eröffnung.

Die Pläne für eine Straßenbahn/Stadtbahn in die Gartenstadt in Mannheims Norden sind schon fast fünfzig Jahre alt. Seitdem wurde in dem Bereich zwischen den großen Stadtteilen Waldhof und Käfertal eine Gleistrasse freigehalten. Vor 25 Jahren wurden die Pläne konkreter und ein völlig neues Verkehrsmittel wurde diskutiert, der sogenannte „Spurbus“. Dies ist ein Dieselbus mit Spurrollen, der auf Betonschienen fährt. Nach jahrelangen Debatten war der Spurbus, der mit dem übrigen Schienennetz nicht kompatibel gewesen wäre, jedoch ein Fall für die Akten. Im Jahr 2008 legten die MVV Verkehr und die rnv im Auftrag der Stadtverwaltung dann eine Untersuchung zu verschiedenen Trassenvarianten vor. Ein Jahr später erfolgte die Zustimmung des Mannheimer Gemeinderats für die neue Stadtbahnstrecke – mit der Vorgabe, die weiteren Planungen unter Beteiligung der Bürgerschaft voranzutreiben. 

Und in der Tat war die Reaktion der Bevölkerung durchaus unterschiedlich. Es formierte sich eine breite Protestbewegung. Aber es bildete sich auch die Initiative „Ja zur Straba-Nord“, die für den Bau der neuen Schienenstrecke warb und die Vorteile in den Vordergrund stellte. Im Stadtbahnforum brachten die Stadt und die rnv schließlich die Repräsentanten der Anwohner sowie Vertreter aus Vereinen, der Wirtschaft, aus dem Handel, von Schulen und Kirchen an einen Tisch. Über 7.000 Arbeitsstunden von ortskundigen Mannheimer Bürgern flossen in die neuen Planungen ein.

Heraus kam ein optimierter Plan für die 6,4 Kilometer lange Stadtbahnstrecke mit ihren 14 Haltestellen. Der Bau dauerte rund dreieinhalb Jahre. Schwierigste „Klippe“ war die Unterquerung einer Eisenbahnstrecke, für die die Ingenieure und Bauarbeiter nur ein Wochenende Zeit hatten. Die Lösung: Das 4.300 Tonnen schwere Tunnelbauwerk wurde über mehrere Monate neben der Strecke der Deutschen Bahn betoniert und dann in nur zwei Tagen unter die Bahngleise geschoben. „Ein hochkomplexer Vorgang, der nicht alltäglich war und eine absolute Schlüsselstelle des Projekts markierte“, erklärte Martin in der Beek, Technischer Geschäftsführer  der rnv, bei der Eröffnung. „Da haben alle Beteiligten wirklich großartige Arbeit geleistet.“

Die Anwohner können nun nicht nur schneller in die Innenstadt fahren – Erholung suchende Mannheimer erreichen mit den neuen Stadtbahnlinien 4/4A direkt den Rand des Naherholungsgebietes im Käfertaler Wald. Eine Freilichtbühne und ein Freibad haben nun einen direkten Stadtbahnanschluss; ebenso werden das Ausbildungszentrum der Bauindustrie, eine Jugendverkehrsschule, das Mercedes-Benz Werk Mannheim und ein Briefverteilzentrum der Post direkt oder indirekt durch die neue Strecke angeschlossen. Sechs Schulen mit über 2.000 Kindern und 750 Bewohner einer Studentensiedlung liegen im Einzugsbereich der Stadtbahn Nord. Nach den üblichen anfänglichen „Kinderkrankheiten" hat sich die neue Gleistrasse schnell zu einem unverzichtbaren Teil des über 125 Kilometer langen Mannheimer Stadtbahnnetzes entwickelt.

 

Text:a Wolfgang Brauer

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