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Elektromobilität

Mannheimer Firmenstellen Weichen für Technologie der Zukunft

Auf der Bus-Linie 63 sind bereits induktiv geladene Busse von Bombardier im Einsatz. Foto: Bombardier

Auf der Bus-Linie 63 sind bereits induktiv geladene Busse von Bombardier im Einsatz. Foto: Bombardier

Der Elektromobilität gehört die Zukunft – auch wenn derzeit noch einige Hürden zu überwinden sind. Zahlreiche MannheimerUnternehmen stehen in den Startlöchern, um bei dieser Entwicklung mit an Bord zu sein.

Es war ein wichtiger Schritt in Richtung „elektrische Autobahn“: Das Team von Bombardier PRIMOVE präsentierte Ende Juni 2016 auf dem Konversionsgelände FRANKLIN die Ergebnisse einer umfangreichen Testreihe mit einem kontaktlos dynamisch geladenen Lkw. Das zehn Meter lange und zehn Tonnen schwere Fahrzeug wurde während der Fahrt automatisch und induktiv mit einer Leistung von bis zu 200 kW mit Energie versorgt. Vier hintereinander angeordnete und in den Boden eingelassene Ladesegmente schalteten nacheinander automatisch zu und ab, während das Fahrzeug mit einem Tempo von bis zu 70 km/h über sie fuhr. Wie üblich bei PRIMOVE geschah dies komplett kontaktlos – ohne Kabel, Drähte und Stecker. 

Mit PRIMOVE ist unsichtbare Elektromobilität für Schienen- und Straßenfahrzeuge bereits heute Wirklichkeit. Induktiv geladene Busse und Straßenbahnen sind weltweit im Einsatz – u. a. auf der Linie 63, die vom Mannheimer Hauptbahnhof bis nach Mannheim-Neckarau fährt. Darüber hinaus wird zusammen mit einem der größten Automobilhersteller der Welt an der Serienentwicklung eines innovativen kabellosen Ladesystems für Elektroautos gearbeitet.

Im Kompetenzzentrum für E-Mobilität in Mannheim forscht das PRIMOVE-Team von Bombardier für den kanadischen Hersteller von Flugzeugen und Zügen an der Technologie der Zukunft. 

Die Tests in FRANKLIN haben auch einen symbolischen Wert, denn FRANKLIN wird Mannheims neues urbanes Quartier, bei dem hohe Lebensqualität und eine verantwortungsvolle Ressourcennutzung miteinander im Einklang stehen. Neben neuen Konzepten im Wohnungsbau sowie der Energieerzeugung und -versorgung ist die Mobilität innerhalb des Quartiers ein entscheidender Faktor. Ziel ist, mit einem breit angelegten Fuß- und Radwegenetz sowie einer guten ÖPNV-Anbindung und Sharing-Konzepten den individuellen Autoverkehr zu minimieren. Im ÖPNV ist Elektromobilität gesetzt. Gemeinsam mit dem Verkehrsunternehmen Rhein-Neckar-Verkehr GmbH (rnv) wird eine E-Buslinie über die Flächen Taylor und FRANKLIN geplant. Diese wird in der späteren Entwicklung durch eine Straßenbahn ergänzt. Auch im Autoverkehr soll Elektromobilität gefördert werden, beispielsweise durch E-Tankstellen. 

Schließlich sollen bis 2020 eine Million Elektroautos auf deutschen Straßen fahren. Dieses ambitionierte Ziel hat sich die Bundesregierung gesetzt – ein ehrgeiziges Ziel, das sie gemeinsam mit der Autoindustrie nun mithilfe eines finanziellen Förderprogramms in die Gänge bringen möchte. Neben einer Kaufprämie für Elektroautos wird auch in den Bau von 16.000 Ladestationen investiert. 

Einer der führenden Hersteller von Schnellladestationen ist ABB, und Daniel Lautensack, Head of LPG Electric Vehicle Charging Infrastructure, freut sich, dass dieser Markt nun in Fahrt kommt. „Wir sehen, dass die Batterien größer werden, und damit wird das schnelle DC-Laden immer wichtiger“, so der ABB-Manager. „Außerdem steigt angesichts der großen Umweltprobleme der politische Druck.“ Zudem könne eine Schnellladeinfrastruktur durchaus kostendeckend betrieben werden – Bedingung für das Interesse von Investoren. „Nach unseren Erfahrungen benötigt eine Schnellladesäule dazu ca. 350 bis 400 Fahrzeuge im Einzugsgebiet. Doch diese E-Autos müssen dann natürlich auch im Einsatz sein“, erklärt Lautensack die wichtigsten Voraussetzungen für einen Ausbau des Schnellladenetzes. Die DC-Ladestation Terra 53, die das Unternehmen auch auf der Hannover Messe im Jahr 2016 erfolgreich präsentierte, ermöglicht einen Ladevorgang in rund 15 Minuten.

In den Niederlanden beliefert ABB das Unternehmen Fastnet, das 2013 mit dem Aufbau einer landesweiten Schnellladeinfrastruktur betraut wurde. Auch in China ist das Unternehmen aktiv. Hier kooperiert ABB u. a. mit Denza, einem Joint Venture des chinesischen Batteriebauers BYD mit Daimler, das ein neues Elektrofahrzeug im Reich der Mitte an den Start gebracht hat. Der Elektrokonzern verkauft zusammen mit den Denza-Modellen eine DC-Wallbox, die es den Autobesitzern erlaubt, in der heimischen Garage ihr Fahrzeug innerhalb einer Stunde aufzuladen.

Auch MVV EnergySolutions, ein Tochterunternehmen von MVV Energie, hat das Thema Elektromobilität auf der Agenda und bietet seinen Kunden eine kostenfreie E-Mobility-Ladesäule an. Voraussetzung ist der Bezug von Strom über die MVV Energie Gruppe. Abgerundet wird das Dienstleistungspaket künftig durch eine individuelle Bedarfsanalyse, Wartung und Services.

Was heute vor allem fehlt, um Elektromobilität alltagstauglich zu machen, sind bezahlbare und leistungsfähige Batterien – davon ist auch die BASF überzeugt und setzt große Hoffnungen ins Batteriegeschäft. Im Jahr 2020 will der Chemiekonzern jährlich eine halbe Milliarde Euro mit Batteriematerialien umsetzen. An sechs Standorten betreibt die BASF Produktions- und Pilotanlagen zur Herstellung von Batteriematerialien. In den USA kann  die Kathodenmaterial-Anlage in Elyria (Ohio) sowohl NCM (Nickel-Kobalt-Mangan-Oxide) als auch die nächste Generation Hochenergie-NCM (High Energy-/HE-NCM) herstellen. Die Fertigung wurde 2012 in Betrieb genommen. In Baton Rouge (Louisiana) werden Elektrolytformulierungen produziert, die in der Batteriezelle den Transport der Lithium-Ionen bei den Lade- und Entladevorgängen der Batterie zwischen der Anode und der Kathode ermöglichen. In Asien werden Elektrolyte der BASF in Suzhou/China hergestellt. Auch in Deutschland gibt es Fertigungskapazitäten für Lithium-Eisen-Phosphat-Kathodenmaterialien. Im Rahmen eines Joint Venture mit Toda Kogyo, einem japanischen Spezialisten für die Entwicklung und Herstellung von Kathodenmaterialien für Lithium-Ionen-Batterien, unterhält die BASF zudem zwei Standorte in Sanyo Onoda und Kitakyushu. Das Joint Venture hat im Frühjahr 2015 seine Arbeit unter dem Namen BASF TODA Battery Materials aufgenommen. 

Der Elektro-Nabel Deutschlands liegt im Mannheimer Büropark Eastsite. Hier forscht das Team des Spiegel Institut intensiv zum Thema Elektromobilität und ist überzeugt, dass diese umweltfreundliche Antriebsenergie auf der Überholspur ist. „Rund 75 Prozent der Konsumenten können sich heute vorstellen, ein Elektrofahrzeug zu kaufen“, so Geschäftsführer Götz Spiegel. „Da sind unsere Befragungen eindeutig. Doch sie möchten dafür keinen höheren Preis zahlen als für ein vergleichbares Modell mit Verbrennungsmotor und auch nicht auf Komfort und Reichweite verzichten.“ Im Auftrag eines Konsortiums aus Industrie und Wissenschaft unter Leitung von BMW begleitet das Spiegel Institut derzeit das Projekt „PREMIUM“, das den Aspekt der elektromobilen Fuhrparks aufgreift. Insgesamt 360 Kundenfahrzeuge werden für die Analyse von Nutzerverhalten, Nutzerakzeptanz und Fahrdaten über eine Laufzeit von drei Jahren unter die Lupe genommen. Rund 60 Firmen nehmen teil. „Für den Erfolg von Elektromobilen könnte der Einsatz in Dienstwagenflotten ein entscheidender Faktor sein. Schließlich werden zwei Drittel der Neuwagen in Deutschland im gewerblichen Bereich zugelassen“, bringt es Spiegel auf den Punkt. Und sogar mit einem eigenen Elektrofahrzeug, dem futuristisch anmutenden Peraves Mono Tracer MTE 150, das eine Spitzengeschwindigkeit von 240 km/h erreicht, ist man in der Eastsite am Start. „Fahrspaß und Umweltfreundlichkeit müssen sich nicht ausschließen“, lächelt der Marktforschungsexperte. 

Eine solche Dienstleistungsflotte am Start hat bereits das IT-Beratungsunternehmen bridgingIT. Aktuell sind bereits 15 Prozent der Fahrzeuge elektrifiziert – darunter 18 Tesla-Modelle. Über 33.000 Euro Treibstoffkosten konnten von April 2015 bis August 2016 durch die Tesla-Flotte eingespart werden. Wichtig war der 2008 gegründeten mittelständischen Firma mit rund 450 Mitarbeitern auch, dass das Projekt von allen Beschäftigten genutzt und getragen wird. Zwischenzeitlich bietet bridgingIT seine Expertise bei diesem Thema auch als Beratungsleistung an. 

 

Text: Ulla Cramer

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