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Transportgewerbe im Umbruch

Logistik 4.0 – Wegbereiter der Digitalisierung

Christian Klein, Niederlassungsleiter des Logistikunternehmens Dachser im Mannheimer Gewerbegebiet Friedrichsfeld-West, setzt auf die Digitalisierung in seiner Branche. Foto: Rinderspacher

Christian Klein, Niederlassungsleiter des Logistikunternehmens Dachser im Mannheimer Gewerbegebiet Friedrichsfeld-West, setzt auf die Digitalisierung in seiner Branche. Foto: Rinderspacher

Die Digitalisierung verändert unser Leben und unser Wirtschaften grundlegend – und das gilt für die Logistik ganz besonders: In allen Prozessschritten werden Daten in riesigen Mengen laufend erfasst, mit Computern ausgewertet und in vorher nicht möglicher Form zur Planung und Steuerung genutzt. 

Disponenten verfolgen ihren Lkw auf der Straße. Kunden wissen, dass ihr Container gerade entladen wird. Lagerleiter rufen ganz spontan ihren Bestand ab. „Die digitale Logistik ist die Implementierung des Internets der Dinge und das Pendant zu Industrie 4.0“, weiß Professor Dr. Michael Schröder, Wissenschaftlicher Leiter des Masterprogramms Supply Chain Management, Logistik und Produktion an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Mannheim, und verweist auf die Erfassung von Wareneingangs- oder -ausgangspaletten ohne das umständliche Abscannen, die Inventur per Knopfdruck und das Tracking von Lkw oder Containern in Echtzeit. „Wirklich neu ist allerdings, dass die Objekte und Betriebsmittel künftig mehr und mehr selbst entscheiden, was mit ihnen geschieht. Dem Menschen wird die Entscheidungsverantwortung abgenommen.“

„Inzwischen sind wir zu gleichen Teilen Waren- und Informationslogistiker“, beschreibt Christian Klein, Niederlassungsleiter des Logistikunternehmens Dachser im Mannheimer Gewerbegebiet Friedrichsfeld-West, die Entwicklung. Die IT ist über Schnittstellen mit den Systemen der größeren Kunden kompatibel, und auch für die übrigen Firmen wird ein spezielles Tool zur Auftragserfassung angeboten. Zahlreiche Technologien bilden die Warenströme ab und steuern jede einzelne Sendung punktgenau. „Auf unserer e-Logistics-Plattform lässt sich beispielsweise genau verfolgen, wo sich die Ware gerade befindet, da wir den Sendungs-Barcode bei jedem Arbeitsschritt erfassen. Auch unsere Kunden können sich auf diese Weise regelmäßig informieren. Und zeitgleich mit der Unterschrift des Empfängers auf unseren mobilen Datenerfassungsgeräten erhält jeder Kunde die Bestätigung, dass die Ware ihr Ziel erreicht hat.“

Dachser wickelt fast alle Aufträge elektronisch ab. Auch die Tourenplanung wird von den Rechnern unterstützt. Nur mithilfe ausgefeilter IT-Systeme ist es für das Logistikunternehmen möglich, die aktuellen Anforderungen zu meistern. „Früher standen vielleicht hundert bis zweihundert Sendungen täglich auf der Agenda. Heute bringen wir im Logistikzentrum Rhein-Neckar jeden Tag ungefähr 2.000 Sendungen mit industriellen Gütern auf den Weg. Hinzu kommen noch rund 1.000 Aufträge im Food-Bereich. Nur wer mit schlanken, effizienten Prozessen arbeitet, kann sich im Transportgewerbe behaupten.“ Als nächstes steht bei Dachser das weltweite Ausrollen der eigenen Systeme für die elektronische Auftragsabwicklung an.

Im Bereich Logistik 4.0 ist auch TIM CONSULT unterwegs. Im Auftrag seiner Kunden plant das Beratungsunternehmen beispielsweise optimierte Transport- und Distributionsnetzwerke hochgenau auf der Basis von Millionen Kundenaufträgen eines Jahres in Europa. Leistungsfähige Algorithmen bilden optimale Sammelladungen und Touren täglich neu – ausgehend von auftragsbezogenen Kundenanforderungen und Lieferres­triktionen.

Im Rahmen seiner Market Intelligence-Initiativen verarbeitet der Spezialist beispielsweise die detaillierten Abwicklungs- und Kostendaten von mehr als 7 Millionen Lkw-Transporten pro Jahr, um den Kunden mit Hilfe von webbasierten Tools ein klares Bild über ständig wechselnde Einsparungspotenziale in mehr als 5.400 europäischen Teilmärkten zu liefern. 

Mit der im Haus entwickelten Tender Solution Suite (TSS) führt TIM CONSULT weltweit komplexe Logistikausschreibungen für große Industrieunternehmen aus. Gestützt auf eine cloudbasierte Software, werden die Unterlagen an hunderte Dienstleister rund um die Welt versendet. Diese reichen elektronisch Angebote für Tausende von Hafen- oder Flughafenpaaren ein. Zehntausende Einzelpreise pro Anbieter werden automatisch verarbeitet und entscheidungsgerecht aufbereitet. Die Datenflut wird automatisiert bearbeitet und grafisch dargestellt. Per Knopfdruck können Entscheidungsvorlagen für die Stakeholder im Unternehmen realisiert werden.

„Digitalisierung hat das Beratungsgeschäft grundlegend verändert“, so Björn Klippel, Geschäftsführer TIM CONSULT. „Heute reicht unser Logistik-Spezialwissen alleine nicht mehr aus, um unsere Kunden optimal zu unterstützen. Wir sind mittlerweile auch Profis im Data Management, in Softwareanwendungen und in quantitativen Entscheidungsverfahren.“

 

Tet: Ulla Cramer

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