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Existenzgründungspreisträger 2012

Mannheimer Start-up goes global

Gipfelstürmer auf der Zugspitze: Dr. Christian Thum (hinten mit Fahne) und Dr. Stefan Seedorf (Mitte) unterstützen mit ihrem Team die Marketingkampagne „Hold no more“ (dt.: Keine Warteschleifen mehr) von LivePerson. Foto: LivePerson

Gipfelstürmer auf der Zugspitze: Dr. Christian Thum (hinten mit Fahne) und Dr. Stefan Seedorf (Mitte) unterstützen mit ihrem Team die Marketingkampagne „Hold no more“ (dt.: Keine Warteschleifen mehr) von LivePerson. Foto: LivePerson

Im Jahr 2012 gründeten Dr. Christian Thum und Dr. Stefan Seedorf die Firma synchronite. Das Produkt des Start-ups: eine Software, die die persönliche Beratung im Internet deutlich vereinfacht. Im Juni 2014 verkauften die Wirtschaftsinformatiker ihre Firma. Heute ist synchronite, Träger des Mannheimer Existenzgründungspreises 2012, das „Engineering Power House“ von LivePerson, einem Spezialisten für Online-Lösungen zur Kundenbindung mit Sitz in New York. 

Eigentlich hatten die beiden Jungunternehmer nach fehlgeschlagenen Gesprächen mit einem der Marktführer der Branche beschlossen, auf ein eigenständiges organisches Wachstum zu setzen. Schließlich stieß ihre Entwicklung auf großes Interesse vor allem im Banken- und Versicherungsbereich. Das Besondere an ihrem Produkt: Es ermöglicht ein Co-Browsing ohne Vorbereitungszeit, das heißt ohne den Download einer speziellen Screensharing-Software. Vor allem in der Finanzbranche generiert die Möglichkeit einer interaktiven Online-Beratung in Echtzeit einen hohen Mehrwert. Die ersten Großkunden hatten die Existenzgründer bereits an Land gezogen: die führende deutsche Direktversicherung CosmosDirekt und einen großen internationalen Mobilfunkanbieter. „Doch wir stellten fest, dass die Zeit vom Erstkontakt bis zum Vertragsabschluss für ein kleines Unternehmen einfach zu lange dauerte“, erinnert sich Thum. „So suchten wir nach einem Partner, vorzugsweise aus den USA, der uns beim Vertrieb unseres Produkts unterstützen konnte – und stießen auf LivePerson, ein Unternehmen, das sogenannte Live Chats anbot, die Möglichkeit einer Kommunikation direkt von der Webseite aus – ohne Telefon.“

Die Implementierung in die LivePerson-Plattform funktionierte schnell – doch die US-Amerikaner wollten mehr als eine technologische Partnerschaft. „Nach einer ganz kurzfristigen Anmeldung stand eine Delegation inklusive dem LivePerson-CEO Robert LoCascio bei uns auf der Matte“, erzählt Thum. „Mein Mitgründer Dr. Stefan Seedorf und ich standen schnell vor einer grundsätzlichen Entscheidung. Wollten wir angesichts erster Erfolge und vielversprechender Gespräche unsere Firma wirklich aus der Hand geben?“ Nach nächtelangen Diskussionen fiel die Entscheidung zugunsten einer günstigeren Work-Life-Balance. „In unserem kleinen Team, in dem wir alle Forscher, Entwickler, Buchhalter und Vertriebsspezialisten in einem waren, arbeiteten wir rund um die Uhr und verbrachten wesentlich mehr Zeit miteinander als mit unseren Partnerinnen“, bringt er die Problematik auf den Punkt. „Den Ausschlag gab jedoch das Angebot des US-amerikanischen Konzerns, in Mannheim einen Innovation-Hub für LivePerson zu etablieren. Wir durften also bleiben, wachsen und uns fokussiert mit dem Thema beschäftigen, das uns am meisten am Herzen liegt: der Weiterentwicklung unseres Produkts.“

Zwei Jahre später ist das Team in repräsentative Räumlichkeiten auf den Mannheimer Planken umgezogen und auf elf Spezialisten angewachsen. Neun weitere Stellen sollen noch besetzt werden. Praktikanten und Studenten, die später in die Mannschaft aufgenommen werden sollen, sind herzlich willkommen. „Im Frühling 2016 haben wir zwei neue Mitarbeiter durch unsere ‚Hackathon‘-Aktion gefunden“, berichtet Thum. „Eine ganze Nacht stand zur Verfügung, um eine passende Software zur Lösung von Alltagsproblemen zu entwickeln. Die Sieger präsentierten ein Tool zur Reiseplanung – das war echt super.“ 

Am meisten freut es Thum und Seedorf jedoch, dass ihr Produkt nun weltweit im Einsatz ist. „Mit synchronite hatten wir 30 bis 40 Kunden, jetzt sind es mehr als 500“, so Thum, der ebenso wie sein Kollege Seedorf nun den Titel Director R&D trägt. Die Arbeit geht ihnen trotzdem nicht aus. „In 2016 haben wir vor allem den Einsatz unserer Co-Browsing-Software auf mobile Anwendungen erweitert“, gibt der Software-Entwickler einen Einblick in die aktuellen Aktivitäten. „Und wir haben noch drei weitere unternehmensinterne Projekte übernommen, an denen wir gemeinsam mit dem großen Entwicklungszentrum von LivePerson in Tel Aviv in Israel arbeiten.“ 

Für die hohen Ziele des deutschen LivePerson-Teams steht ein Foto, das an der Wand der stylischen Büroräume zu bewundern ist. Abgebildet ist dort die gemeinsame Eroberung des Zugspitz-Gipfels. Der Träger des Mannheimer Existenzgründungspreises 2012 hat noch viel vor. 

 

Text: Ulla Cramer

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