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FRIATEC

Meilenstein für saubere Energie

Klaus Wolf, Vorstand des Werkstoffspezialisten FRIATEC, freut sich über das erste europäische Brennstoffzellenkraftwerk der Megawattklasse, das sein Unternehmen mit Energie versorgen wird. Foto: FRIATEC

Klaus Wolf, Vorstand des Werkstoffspezialisten FRIATEC, freut sich über das erste europäische Brennstoffzellenkraftwerk der Megawattklasse, das sein Unternehmen mit Energie versorgen wird. Foto: FRIATEC

Europas erste Brennstoffzelle der Megawattklasse steht in Mannheim-Friedrichsfeld. Das Kraftwerk versorgt den Werkstoffspezialisten FRIATEC mit Strom und Wärme, und das praktisch schadstofffrei. Am 19. September 2016 hat es offiziell den Betrieb aufgenommen.

Vom Aussehen her erinnert das Brennstoffzellenkraftwerk ein wenig an eine Autobatterie – nur ist der Kubus erheblich größer und von dicken Rohren umgeben. Entscheidend aber ist, was in der Anlage steckt: Sie erbringt eine elektrische Leistung von 1,4 Megawatt (MW). Europaweit ist das bislang „einsame Spitze“. „Mit dem Mannheimer Projekt steigt Europa in die Champions League der industriellen Brennstoffzellennutzung auf“, erklärte Jorgo Chatzimarkakis, Generalsekretär des Verbands Hydrogen Europe, bei der offiziellen Inbetriebnahme.

Der elektrische Wirkungsgrad der Hochtemperaturanlage liegt bei 47 Prozent. Sie soll die Grundversorgung des Industriestandortes sicherstellen und etwa 8.000 Stunden pro Jahr bei 95 Prozent Verfügbarkeit laufen. Gut elf Gigawattstunden (GWh) Strom wird die Brennstoffzelle dabei liefern. Dazu kommt eine ausgekoppelte Wärmemenge von rund 6.000 MWh für Heiz- und Kühlzwecke. Damit kann FRIATEC rund die Hälfte der für seine Werkstoff-Produktion benötigten Energie selbst erzeugen.

„Nachhaltigkeit ist eines der wichtigsten Themen im Aliaxis-Konzern, zu dem FRIATEC gehört. Die Installation einer umweltfreundlichen Eigenerzeugungsanlage war ein logischer Schritt im Rahmen unseres Umweltmanagements zur kontinuierlichen Verbesserung unserer Produktionsprozesse“, so FRIATEC-Vorstand Klaus Wolf. Vor siebzehn Jahren kam er erstmals mit der Technologie in Berührung. Seither hat ihn das Thema nicht mehr losgelassen. 

Denn technisch bietet das Brennstoffzellenkraftwerk eine zukunftsweisende Lösung für saubere Energiegewinnung. Anders als bei klassischen Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen wird hier kein Brennstoff verbrannt, sondern Erdgas elektrochemisch in Strom, Wärme und Wasser umgewandelt. Bei diesem Prozess fallen nahezu keine Schadstoffe an.

Konkret geht es um die Reduktion von 3.000 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr. DieEntlastung für die Umwelt entspricht in etwa dem CO2-Ausstoß von circa 250.000 Mittelklassewagen auf 100 Kilometern.

Mannheims Erster Bürgermeister Christian Specht würdigte den Beitrag des Traditionsunternehmens FRIATEC für die Ökologie am Standort Mannheim als „herausragendes Beispiel für nachhaltige Entwicklung“. Und er zeigte sich überzeugt: „Die Metropolregion hat noch viel Potenzial für diese Technologie.“

FRIATEC hat das Projekt mit seinen langjährigen Partnern E.ON Connecting Energies und FuelCell Energy Solutions realisiert. Dabei übernahm die E.ON-Tochter Finanzierung und Projektentwicklung. Das Mannheimer Unternehmen nutzt das Kraftwerk auf Leasingbasis. Dr. Karsten Wildberger, Vorstandsmitglied von E.ON, erklärte bei der Inbetriebnahme: „Wir müssen in Deutschland und Europa neue Standards setzen. Die Brennstoffzelle ist eine Schlüsseltechnologie für eine effiziente und saubere Energie.“ Errichtet hat die Anlage in nur neun Monaten FuelCell Energy Solutions, ein Joint Venture des Fraunhofer-Instituts für Keramische Technologien und Systeme (IKTS) und des US-amerikanischen Unternehmens FuelCell Energy. Die Firma ist spezialisiert auf Brennstoffzellen. Allein in Südkorea hat sie bis 2012 rund 60 Anlagen gebaut. „Die ganze Welt bewegt sich in Richtung sauberer, effizienter und sicherer Energieerzeugung“, unterstrich Chip Bottone, Präsident und CEO von FuelCell Energy Solutions. Die Brennstoffzellentechnologie sei nicht nur ein wichtiger Baustein, sie erhalte und schaffe auch Arbeitsplätze.

 

Text: Dr. Gabriele Koch-Weithofer

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