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EY (früher: Ernst & Young)

Industrie 4.0: Das nächste große Ding für Start-ups

Die Digitalisierung bietet für junge Unternehmen und neue Geschäftsmodelle große Chancen. Foto: EY

Die Digitalisierung bietet für junge Unternehmen und neue Geschäftsmodelle große Chancen. Foto: EY

Wie verändern cyber-physische Systeme und das Internet der Dinge die industrielle Produktion? Habe ich als innovativer Kopf Ideen, die die Smart Factory weiter nach vorne bringen und etwas Entscheidendes zum technologischen Wandel, zu mehr Ergonomie sowie zur Integration von Kunden und Geschäftspartnern beitragen? Und wie kann ich meine Ideen in ein tragfähiges Geschäftsmodell übertragen? Wer hilft mir hier? Wie nutze ich die disruptiven Veränderungen, um „einen Fuß in die Tür“ zu bekommen und erfolgreich mein Ding im Internet der Dinge zu machen?

Das Internet der Dinge stellt Gründer und solche, die es werden wollen, vor wichtige Fragen. Nicht alle können immer selbst beantwortet werden. Deshalb ist es wichtig, eine Community zu haben. Sie hilft Gründern, das zu sehen, worauf es ankommt, und dann dementsprechend zu handeln. Das gilt nicht nur in Bezug auf die Technologien, sondern auch mit Blick auf die unternehmerischen Aspekte. So wie es beim Internet der Dinge (IoT = Internet of Things) um eine möglichst nahtlose Kommunikation zwischen Sensoren und Maschinen bzw. intelligenten Geräten mit dem Internet geht, so ist auch für junge kreative Unternehmer im IoT der Austausch mit anderen Innovatoren, möglichen Geldgebern und Partnern der Schlüssel zum Erfolg. 

Das eröffnet Start-ups viel Spielraum für neue Ideen. Ein Beispiel ist die digitale Selbstüberwachung. Was mit den vernetzten Hue-LED-Lampen von Philips aus dem privaten Bereich in den Mainstream überschwappte, vollzieht sich aktuell im großen Stil in der Industrie: Wo früher feste Wartungsintervalle für Maschinen eingehalten werden mussten, fordern diese nun dank Selbstüberwachung eigenständig Wartung an, wenn es notwendig ist. Dabei sprechen sie sich mit Nachbarkomponenten ab. Damit lässt sich nicht nur Geld sparen, sondern es ergeben sich auch Möglichkeiten für vollkommen neue Geschäftsmodelle. Vernetzte, cyber-physische Systeme sind also die Keimzelle der Smart Factory. So wird am Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik (IML) mit InventAIRy eine Drohne entwickelt, die autonom Hochregallager inventarisiert. Sie findet sich dank modernster Sensorik eigenständig im Lager zurecht und gibt ihre Informationen an andere Systeme wie das Warehouse-Management-System (WMS) weiter. Einzelne Komponenten der Produktions- und Lagerkette denken mit, denken miteinander. 

Intelligente und vernetzte Maschinen stellen die Produktionslogik (erneut) auf den Kopf. Die Grenzen zwischen handwerklich-individuell hergestellten und industriellen Massengütern verschwinden. Bislang galt: Wenn ich zum Schuster gehe, bekomme ich meine Schuhe gefertigt – so wie ich sie will. Im Auftragszettel wurden einfach meine Wünsche aufgenommen. Der zukünftige Schuh „wusste“ also, was er werden sollte. Das kann der massenproduzierte Treter aus der Fabrik nicht von sich behaupten, zumindest noch nicht. Denn dadurch, dass momentan die Information über die aktuelle Produktion verteilt und nicht vernetzt in den Maschinen steckt, ist nur eine Massenproduktion identischer Produkte ökonomisch möglich. Adidas, Nike und Co. haben hier das Potenzial der Smart Factory erkannt. Bei ihnen „weiß“ der Schuh dank vernetzter Industrie 4.0, welche Farbe er bekommen soll und welches Material eingesetzt wird. Der Schuh holt sich seine Leistung an der Maschine ab und wird zum Unikat. Losgröße 1 heißt das Zauberwort. Was bei den Schuhen begann, wird schon bald überall möglich sein, nicht nur bei der Bekleidung.

Maschinen verändern sich. Damit sie das können, muss sich unser Maschinenverständnis ändern. Maschinen sind nicht mehr tumbe Monster, die repetitiv immer die gleiche Tätigkeit durchführen. Kollege Maschine muss selbstständig handeln, sich absprechen, planen. Wir brauchen also einen Paradigmenwechsel, der weit über das rein Technische hinausgeht. Unternehmer müssen die nächste industrielle Revolution strategisch in den Fokus rücken und neue Kompetenzen an Bord holen. Sie müssen Allianzen schmieden, Partner suchen. Hier ergeben sich ungeahnte Möglichkeiten für Start-ups mit ihren innovativen Kulturen sowie für etablierte Unternehmen mit ihrem Business-Know-how. Es gilt also, Plattformen der Begegnung von Unternehmen und Start-ups zu bieten, die den Austausch ermöglichen. So können neue Produkte und Dienstleistungen entstehen, die Märkte erobern, welche lange von bestimmten Playern dominiert waren. Die industrielle Revolution 4.0 hat gerade erst begonnen. Sie ist hungrig auf Ideen, deren Zeit gekommen ist. Worauf warten wir noch?


Ansprechpartner für Start-ups zum Thema Industrie 4.0:

Dr. Andreas Müller, Partner bei EY (ehemals Ernst & Young): a.mueller@de.ey.com. Als Gründungspartner der J&M Management Consulting AG kam er mit dem Zusammenschluss von J&M und EY im Juli 2013 zu EY. Heute leitet er die Strategy & Operations Practice von EY in Deutschland, der Schweiz und Österreich.

Dr. Christoph Kilger, Partner bei EY: christoph.kilger@de.ey.com. Dr. Kilger ist Experte für Strategie, Supply Chain Management, Produktion, Logistik und PLM/ Engineering in den Branchen Automotive, Maschinenbau, Elektrotechnik, Hightechindustrie und Konsumgüter.

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