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Interview mit Dominique Stroh, Concept Expert bei business design people

„Kopfarbeit gewinnt“

Unternehmensberaterin Dominique Stroh geht davon aus, dass sich auch die Arbeitswelt in den nächsten Jahren signifikant verändern wird. Foto: business design people

Unternehmensberaterin Dominique Stroh geht davon aus, dass sich auch die Arbeitswelt in den nächsten Jahren signifikant verändern wird. Foto: business design people

Durch die fortschreitende Digitalisierung werden in den nächsten zwei Jahrzehnten neun Prozent der derzeitigen Arbeitsplätze in den Ländern der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) technisch automatisierbar sein, so eine neue Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). Wie müssen wir uns die  Auswirkungen von Industrie 4.0 auf die Arbeitswelt vorstellen?

Dominique Stroh: Im 19. Jahrhundert machte das Industriezeitalter viele Bauern zu Fabrikarbeitern – und auch die Digitalisierung bedeutet eine Revolution der Arbeitswelt, geprägt von permanentem technologischem Fortschritt mit Themen wie Industrie 4.0, Sales 4.0, Leadership 4.0 als Teilbereichen. Vor diesem Hintergrund wird die sogenannte Wissensgesellschaft immer wichtiger – und die Kopfarbeit gewinnt an Bedeutung, da Maschinen viele Arbeiten übernehmen. Bestimmte Berufe fallen weg, andere neue Berufsbilder kommen hinzu. Digitalisierung bedeutet ganz klar Veränderung – für den Arbeitgeber, aber auch für den Arbeitnehmer.

Die Befürchtungen sind groß, dass viele Stellen verloren gehen. Teilen Sie diese Einschätzung? Und um welche Bereiche geht es hier?
Stroh: Zuerst einmal sollte keine Angst geschürt werden. Wegfallen klingt sehr dramatisch. Es ist doch vielmehr so, dass wir uns als Gesellschaft ständig entwickeln – ebenso wie die Berufe, in denen wir arbeiten. Klar ist, jeder muss sich weiterqualifizieren und sollte sich mit dem Ist-Zustand nicht zufriedengeben. Berufsbilder gehen nicht von heute auf morgen verloren. Es ist genug Zeit, egal in welcher Lebensphase man steht, sich rechts und links nach möglichen Qualifizierungen umzuschauen, um den nächsten Schritt zu gehen. Doch auch Arbeitgeber stehen hier in der Pflicht, eine saubere Personalentwicklung zu gewährleisten – denn die Weiterentwicklung des Arbeitsplatzes heißt auch die Weiterentwicklung des Mitarbeiters. 

Werden wir ganz neue Berufsbilder schaffen? Oder können wir uns aufgrund mangelnder Arbeit vielleicht mehr mit sozialen Themen beschäftigen?
Stroh: Richtig! Es wird neue Berufsbilder geben. Auch heute finden wir im Zuge von Nachhaltigkeitsthemen z. B. CSR-Manager oder Berufe, die sich mit der Vermarktung von Social Media-Plattformen beschäftigen. Mit der Digitalisierung entstehen neue Jobs. Und mit Industrie 4.0 neue Produktionslandschaften, die hochtechnologisch und komplex sind, neue Berufsbilder schaffen oder bestehende Berufsbilder weiterentwickeln. Mangelnde Arbeit sehe ich nicht, besonders wenn wir in Betracht ziehen, dass wegen des demografischen Wandels der Fachkräftemangel eine zunehmende Rolle spielt. Dennoch wird Zeit für „Soziales“ ein Aspekt, den Unternehmen berücksichtigen müssen – ein Thema, das wir unter dem Motto „Work-Life-Balance“ zusammenfassen. 

Wie können sich Führungskräfte auf diese Veränderungen einstellen?
Stroh: Der größte Wandel muss sich in den Köpfen vollziehen. Weg von hierarchischen Denkmustern hin zu einem Chef auf Augenhöhe. Führungskräfte müssen lernen, ihre Leute zu coachen, Ansprechpartner und dazu Personalentwickler zu sein. Die Rolle verändert sich zunehmend, die Herausforderungen sind hoch, die Erwartungen größer denn je.

Wenn ich Führungskräfte in Einzelcoachings berate, ist oft zu erkennen, dass es an entsprechenden Instrumenten fehlt, die den kommenden Wandel begleiten. Die meisten werden von einer Fach- ohne großen Übergang zu einer Führungskraft – das Handwerkszeug dafür bleibt wegen des Zeitdrucks immer mal wieder auf der Strecke. Einen Tipp gebe ich vor diesem Hintergrund gerne weiter: Mitarbeiter sind ein toller Feedbackgeber. Wenn man ihnen die Chance gibt, ehrlich zu sein, auch Kritik äußern zu dürfen, sind genau sie die besten Führungskräfteentwickler! Kein anderer weiß besser, was er/sie sich von dem jeweiligen Vorgesetzten wünscht.

 

Die Fragen stellte Ulla Cramer.

 

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